Mikromanagement vermeiden

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Oct 29, 2021

Bist Du ein Mikromanager?

Wenn Du ein Unternehmer bist, ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch. Das ist fatal, denn Mikromanagement ist eine der Hauptursachen dafür, dass Menschen sehr schnell die Freude an ihrer Arbeit verlieren. Das gilt sowohl für den Unternehmer als auch für die Mitarbeiter im Unternehmen – wer möchte schon gerne ständig kontrolliert werden und das Gefühl haben, dass ihm einfach nicht vertraut wird, dass er offensichtlich nicht das Gefühl erzeugt, dass er in der Lage ist, seine Arbeit ordentlich zu erledigen – niemand, richtig!? Das ist das große Problem am Mikromanagement. Deswegen werde ich Dir erklären, was die 3 typischen Gründe dafür sind, dass Unternehmer sich ins Mikromanagement zurückziehen, was Du dagegen tun kannst und wie Du dafür sorgen kannst, in Zukunft nicht mehr im Mikromanagement zu versinken.

Warum ist Mikromanagement ein Problem?

Auf der einen Seite sorgt es dafür, dass der Unternehmer selber seine persönliche Freiheit aufgibt, weil ein praktisch ständiger Kontrollzwang daraus resultiert. Mikromanagement bedeutet ja nichts anderes als überall letztlich involviert zu sein, alles nachzukontrollieren, allen über die Schulter zu schauen und ständig allen Leuten zu sagen, was sie tun sollen und wie sie es tun sollen. Damit ist der Arbeitsalltag eines Unternehmers in der Regel schon komplett ausgelastet.

In meiner täglichen Arbeit mit Unternehmern wird mir ja genau das immer wieder geschildert: dieses Gefühl überhaupt nicht die Dinge tun zu können, die ein Unternehmer gerne tun möchte und die er tatsächlich auch tun muss, wie z. B. an der Unternehmensentwicklung zu arbeiten, neue Projekte anzustoßen, eine Vision zu kreieren, einen strategischen Fahrplan zu erzeugen usw. Auf der Mitarbeiterseite sorgt es dafür, dass die Menschen kontinuierlich das Gefühl haben, dass ihnen der Unternehmer / Leader nicht vertraut. Warum sonst würde er die ganze Zeit immer wieder nachkontrollieren, drauf gucken, Entscheidungen revidieren oder selber immer die letztendliche Entscheidung treffen, egal in welchem Bereich. Das kommuniziert einfach nur Misstrauen und das führt sehr schnell dazu, dass Menschen keine Eigeninitiative mehr entwickeln. Dann bekommst Du diesen berühmten Dienst nach Vorschrift. Eine der häufigsten Klagen, die ich von Unternehmern höre ist, dass ihre Mitarbeiter nicht wirklich mitziehen, dass sie keine Eigeninitiative zeigen, dass sie irgendwie keinen richtigen Drive entwickeln. Genau das ist das Problem: Wenn der Mensch gelernt hat, dass er sowieso nichts richtig machen kann, denn am Schluss wird diese Person die Entscheidung treffen und mir alles abnehmen, dann muss ich mir auch nicht mehr Mühe geben. Das ist normale menschliche Psychologie und es ist natürlich sehr schade, denn jetzt dreht sich das Rad nicht. Damit wird der Unternehmer darin bestätigt, wie richtig sein Mikromanagement ist, weil die anderen ja eben nicht ordentlich abliefern, solange er nicht drauf guckt. Das ist sehr leicht zu verstehen, wenn man einmal darauf schaut, woher Mikromanagement eigentlich kommt bzw. warum sich die allermeisten Unternehmer in diese Verhaltensweisen zurückziehen:

  1. Kontrolle
  2. Perfektionismus
  3. Mangel an Vertrauen

Kontrolle

Natürlich möchten wir alle dafür sorgen, dass alles möglichst gut läuft. Natürlich möchten wir immer wissen, dass die Ergebnisse auch so sein werden, wie wir uns das vorstellen. Daher kommt dieser Wunsch nach Kontrolle. Wir möchten festlegen, dass das Ergebnis in der Zukunft so sein wird, wie wir uns das vorstellen. Um das zu gewährleisten, versuchen wir alle “beweglichen Teile” so zu kontrollieren, wie wir sie haben wollen. Nun der Irrglaube da drin ist, dass Du die einzige Person bist, die es richtig kann und dass Deine Art und Weise die einzig richtige ist – beides ist nicht der Fall.

Perfektionismus

Perfektionismus ist die Furcht davor, Fehler zu machen, also dass etwas nicht funktionieren könnte, dass das Ergebnis schlecht sein könnte oder dass es ein Fehlschlag wird. Perfektionismus ist ein absoluter Stolperstein, denn “perfekt” existiert nicht. Wer Fehler vermeidet, nimmt sich und anderen automatisch die Möglichkeit zu lernen. Das Wichtigste für uns als Menschen, egal ob als Mitarbeiter oder Unternehmer ist doch, zu lernen und kontinuierlich uns weiterzuentwickeln. Wir lernen doch nur aus den Fehlern!

Mangel an Vertrauen

Dann kommt der Mangel an Vertrauen zum Tragen, denn letztendlich nimmst Du Deinen Mitarbeitern die Möglichkeit, Fehler zu machen. Du willst ja in ihrem Job mitspielen, damit keine Fehler passieren. Deine Mitarbeiter können aber nur lernen, wie sie es am besten machen, wenn Du ihnen erlaubt bzw. wenn Du sie sogar ermutigst, Fehler zu machen.

Ursache: Angst?

Hier ist der eine Punkt, der diese drei Dinge vereinigt: Die Ursache dafür ist letztlich immer Angst. Angst davor, dass es nicht funktioniert, Angst davor, dass Du die Rechnung nicht bezahlen kannst, Angst davor, dass die Kunden abspringen, Angst davor, dass es zu viele Reklamationen, Problem gibt, Angst davor, dass Du nach außen schlecht aussehen könntest, dass Deine Unternehmer / Kollegen über Dich lachen, dass Menschen Dich nicht mehr mögen, dass Deine Familie Dich verlässt – es gibt so viele verschiedene Aspekte! Letztlich basiert der Wunsch nach Kontrolle, Perfektionismus und dieses Misstrauen immer auf Angst.

Angst – Dein grünes Licht

Angst ist ein grünes Licht. Angst ist immer die Richtung in die wir gehen müssen. Das bestätigt sogar die moderne psychologische Wissenschaft. Angst ist für uns Menschen ein Hinweisschild: Da ist etwas, worum Du Dich kümmern musst und deswegen ist es so wichtig, genau in diese Richtung zu gehen.

Wie kannst Du Mikromanagement vermeiden?

Letztlich ist es gar nicht so kompliziert. Das ganze fängt nämlich an, indem Du Deinen Mitarbeitern wirklich Vertrauen schenkst. Lass sie ihre Arbeit machen, sag ihnen genau, was das Ergebnis sein soll und dann lass sie ihre Arbeit tun und Du wirst feststellen, wenn Du damit anfängst, dann kommen sie am Anfang und fragen, ob sie das so oder so machen können, ob Du noch mal drauf schauen kannst.  Hier ist es jetzt ganz entscheidend, Unterstützung zu geben und zwar nicht Unterstützung in der Art und Weise, dass Du jetzt sagst “Okay, kannst Du so machen” oder “Komm her, ich erkläre Dir, wie das geht”, sondern zu sagen: “Okay, das ist das, was ich von Dir möchte, das ist Deinen Job – mach’s!”.

Es ist vielleicht für beide Seiten ein sehr seltsames Gefühl am Anfang, aber es wird sehr schnell dazu führen, dass die Leute wirklich viel mehr Spaß an ihrer Arbeit haben und dieses Vertrauen spüren, was Du jetzt in sie setzt, indem Du ihnen auch gestattest einfach notwendige Fehler zumachen und daraus zu lernen. Du wirst sehr schnell bemerken, dass sie sich weitere Verantwortung suchen, dass sie selbstständiger werden und dass sie genau das tun, was Du gerne hättest, nämlich: endlich mal von alleine nach vorne gehen. Das ist genau das Feedback, was ich immer wieder von den Unternehmern bekomme, mit denen ich arbeite. Wenn sie sich auf dieses Experiment einlassen, kommen die Effekte sehr schnell. Mitarbeiter sind zufriedener und der Unternehmer ist zufriedener, denn auf einmal hast Du mehr Freiraum! Du musst Dich jetzt nicht mehr um alles kümmern, sondern Du überlässt endlich den Leuten, die Du ja extra dafür eingestellt hast und lässt sie ihre Arbeit auf ihre Art und Weise machen. Das einzige, was uns alle doch interessieren sollte, sind die Ergebnisse nicht wahr!? Wenn sie die richtigen Ergebnisse bringen, wenn sie die Resultate bringen, die Du haben willst, dann musst Du Dich nicht darum kümmern, wie sie das ganze machen. Vertrauen in Deine Mitarbeiter und die Unterstützung für das, was sie dort tun und zwar in Hauptmasse dadurch, dass Du Dich einfach mal raus hältst. Im Zweifel – wenn es wirklich gar nicht mehr weitergeht, dann als Ansprechpartner zur Verfügung stehst. Aber wenn jemand die ganze Zeit zu Dir kommt und sagt “Kannst Du das machen?” oder “Kannst Du mir helfen?”, dann musst Du Dich doch fragen, warum Du ihn oder sie denn eingestellt hast. Das brauchst Du gar nicht, wenn Du die ganze Arbeit allein machst. Diese zwei Punkte werden schon ganz erheblich dabei helfen, Mikromanagement zu vermeiden.

Der weitere Schritt, der notwendig ist, ist natürlich die Suche danach, warum Du diese Ängste davor hast, zu versagen oder schlecht auszusehen, nicht mehr gemocht zu werden. Das ist etwas, was sich in einem persönlichen Training am besten klären lässt. Wenn Du mehr Informationen über das Thema Mikromanagement haben willst, dann kannst Du gerne auch in mein Buch “Verabredung mit dem Erfolg” schauen. Da gibt es ein ganzes Kapitel über das Thema Mikromanagement und Vertrauen. Du kannst dort noch mal ganz genau nachlesen, wie Du auch am besten aus dieser Situation entkommen kannst.

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